Nach 50 Jahren mit Norfolk Terriern:

ein etwas ausführlicherer Lebenslauf

Stofftiere im Kinderbett? Nun, vielleicht haben schon damals meine Eltern mir die Liebe zu Tieren mit in die Wiege gelegt. Sicher ist, dass ich schon sehr früh lieber mit Stofftieren und Teddybären spielen wollte als mit Puppen. Die waren nicht meine Welt, aber Tiere in Zirkuswagen und Kühe und Pferde waren sehr früh meine Leidenschaft, und ich wünschte mir als Kind nichts sehnlicher als einen Hund.

Zum Glück waren meine Eltern tierlieb! So zog relativ früh ein Rauhhaardackel in unsere kleine Familie, ein dürrlaubfarbener Standardteckel wie man sie damals nannte.

Meine Tante züchtete Teckel für die Jagd, und ich fühlte mich dort bei ihr auf dem großen Gutshof im Osnabrücker Land unendlich wohl. Es gab auch Rinder, Geflügel, Schweine und Arbeitspferde dort (und später einen „Frankenlerche“ Irish Terrier!), und mein Vater setzte mich früh auf den Rücken eines dieser Kaltblüter. Wenige Jahre später kam die Liebe zu den Pferden, begann mit Voltigierunterricht, später Dressur und ein wenig Springsport, zeitweise mal der Arbeit in einem Gestüt mit Trabrennpferden und viel Freizeitreiten in der Natur. Es gab eine wunderbare Zeit, in der ich jeden Sommer auf dem Lande im Bremerhavener Land verbrachte, bei allen landwirtschaftlichen Arbeiten dort half, der Ernte und natürlich den Aufgaben mit landwirtschaftlichen Nutztieren von Füttern, Melken, Geburten bis hin zur alleinigen Versorgung der Milchkühe als die Familie mal in Urlaub fuhr für einige Tage! Damals noch bäuerlich geprägt mit viel Weidebetrieb und keine Massentierhaltung. Im Nachbardorf trainierte ich die jungen Hannoveraner eines Pferdezüchters.

Frauke auf Allright

Frauke auf Milan

Später wurden die Vollblüter für einige Jahre meiner Schul- und Studienzeit meine große Leidenschaft, das Training der Galopper auf der Rennbahn in Riem. Während der Studienzeit folgte eine Praktikumszeit in USA, zu der auch das Training von Westernpferden gehörte. Nach dem Abitur in München folgte erst das Studium der Agrarwissenschaften in Weihenstephan, dann Tiermedizin in München und Hannover. Promotion in der Mikrobiologie München und Hilfe in einer ländlich geprägten Praxis am Ammersee in Bayern. Der Umzug vom Süden in den Norden, zurück in meine Heimat Norddeutschland (eigentlich bin ich echte Hamburgerin!) war im Mai 1990. Dort intensivierte ich nun die Zucht meiner Norfolk Terrier, die mein Leben ja bereits etliche Jahre seit 1976 begleitet hatten. Davor hatte ich übrigens in meiner Jugendzeit zu Hause vier Teckelwürfe Anfang der 1970er Jahre. Dürrlaubfarbene Rauhhaardackel, heute auch selten geworden. Doch der roten Farbe und dem rauhen Fell bin ich immer treu geblieben!

Schon in den Jahren vor dem Umzug hatte ich erfolgreich meine Hunde auf Ausstellungen gezeigt, aber in den Jahren danach wurde das für weitere 30 Jahre, und zwar bis zum Beginn der Corona Pandemie und dem damit verbundenen Ausstellungsstopp, ein intensiver Sport und in manchen Jahren gab ich bis zu 80 Einzelmeldungen ab. Große Erfolge wie ungezählte Bundes-, Europa- und Weltsieger, Championtitel etlicher Länder, Gruppensiege und Platzierungen und BIS Siege meiner Hunde machten uns international und weltweit bekannt. Zahlreiche Hunde aus meiner Zucht waren erfolgreich für andere Züchter, ergänzten oder begründeten ihre Zucht und das auch in vielen anderen Ländern. Der erste nicht in England geborene Norfolk Terrier, der dort Champion wurde, stammte aus meiner Zucht, es folgten weitere GB Champions, aber auch USA Champions und ein Best in Show dort! In etlichen Ländern haben meine Hunde ihren Einfluss deutlich hinterlassen, viel in Skandinavien aber auch anderen EU Ländern und sogar in St. Petersburg, Russland.

Neben den unendlich vielen Hundeschauen, die ich besucht und mit viel Freude und großen Erfolgen meine Hunde dort gezeigt habe, organisierte ich zusammen mit Freunden in meiner Aufgabe als Rassebeauftragter im Klub für Terrier über viele Jahre hinweg regelmäßig große Treffen für die Norfolk Terrierzüchter und Besitzer, meist im Rahmen von Zuchtschauen des KFT. Dazu luden wir bekannte Züchter aus anderen Ländern als Richter ein und hatten fast alle mit Rang und Namen aus England, USA und auch Skandinavien bei uns zu Gast. Es waren wunderbare Veranstaltungen, bei denen große Zahlen von Norfolk Terrierfreunden mit ihren Hunden zusammen kamen. 1996 gaben wir ein Handbuch über die Norfolks heraus.

Ich selbst habe nach der Ausbildung zum Zuchtwart die Prüfung zum Zuchtrichter für niederläufige Terrier im Jahr 1991 gemacht und etliche Male im In- und Ausland gerichtet. Besonders schön waren die Einladungen zu Spezialschauen für Norfolk Terrier in Schweden, Finnland, den Niederlanden und England. Dort richtete ich unter anderem die Norfolk Terrierclub Championship Show und in USA neben einigen kleineren Klub Events sogar Montgomery County, die angeblich größte Terrierschau der Welt. Das war eine große Ehre. Für die Einladungen in England und USA musste man erst mal in die dortige Richterliste aufgenommen werden, was mit einem gewissen Aufwand verbunden war und viel auf Erfahrungen und der Zahl vorangegangener Richtertätigkeiten beruhte.

Richten in den USA

Montgomery 1996

Die wunderbaren Kontakte zu anderen Züchtern in der Welt, mit denen man langjährige Freundschaften aufgebaut und immer wieder Hunde ausgetauscht hat, möchte ich nicht missen. So wie ich vor allem in UK und USA seinerzeit viel von erfahrenen Züchtern lernen durfte, habe ich als Mentor neuen Züchtern versucht, mein Wissen weiter zu geben und ihnen geholfen, eine Zucht aufzubauen. Leider sind die wenigsten noch aktiv, und unsere so liebenswerte Rasse wird wohl in der Zukunft kaum noch gezüchtet werden, denn einfach ist es nicht und man kann kein Geld mit ihnen verdienen, da die Würfe zu klein sind (und die Leerbleibequote zu hoch).

Vom VDH erhielt ich für meine Verdienste an der Zucht die Baron von Gingins Gedächtnismedaille im Jahr 2007 zuerkannt, die höchste Auszeichnung, die dort vergeben wird.

Weitere vierbeinige Begleiter in meinem Leben wurden erst eine Andalusierstute, Sonora, ein tolles Pferd, das mich fast 30 Jahre begleitet hat. Ihre Mutter, Desdinada, lebte auch einige Jahre bei mir. Dazu kamen später zwei Vollblutstuten, die ihr Rentendasein bei mir verbrachten: Sweet Caroline und All Our Luck. Nach ihrem Tod zogen ein paar Mini Shetlandponys bei uns ein, die wegen schwerer Krankheit ihres Besitzers ein neues Zuhause brauchten. Einige Hühner und Katzen gehörten natürlich immer mit auf den Hof. Und inzwischen mein dritter Deerhound, eine wunderbare Rasse, wenn man einen großen Hund um sich haben möchte. Eine sehr liebe und hübsche Airedale Terrier Dame bewacht seit einigen Jahren Haus und Hof, denn dafür sind Windhunde weniger geeignet! Sie und der Deerhound sind die besten Freunde und spielen ständig miteinander! Die Vierbeiner haben also mein ganzes Leben begleitet, und die Zucht der so seltenen Norfolk Terrier war mein Lebensinhalt, dem ich mich mit großem Engagement fünf Jahrzehnte lang gewidmet habe und dabei einen wertvollen Genpool aufbauen konnte.

Nach nun fast 50 Jahren haben wir uns auf unseren historisch geprägten Hof direkt am Weserdeich nicht weit von Verden an der Aller zurück gezogen und deutlich verkleinert. Neben der Freude, die meine Hunde mir selbst all die Jahre bereitet haben, kann ich darauf zurück blicken, dass ich viele Menschen mit einem meiner Welpen sehr glücklich gemacht habe. So viel positives Feedback von zufriedenen Kunden und die unendlich vielen Zeilen, die mir immer wieder bestätigt haben, wie viel Glück ein Vierbeiner von mir in ihr Leben gebracht hat, zeigt mir, dass ich vielleicht mit all der Mühe, die ich in diese Zucht gesteckt habe, die Welt zumindest für die neuen Besitzer meiner Vierbeiner ein kleines bisschen besser machen konnte. Dann hat sich all das Herzblut, dass eine Zucht von Norfolk Terriern über so lange Zeit gekostet hat, doch gelohnt, denn diese Rasse ist wahrlich nicht einfach zu züchten. Darum machen es nur so wenige weltweit. Und die wenigsten halten jahrzehntelang durch!

Die vielen tollen Begegnungen mit interessanten Menschen und die zahlreichen Freundschaften, die durch diese Hunde im Laufe der Jahrzehnte entstanden sind, möchte ich nicht missen. Sie sind eine unglaubliche Bereicherung des Alltags mit den Tieren und bestehen zum Teil bis heute. Leider sind etliche von ihnen schon nicht mehr unter uns und fehlen mir sehr. Im Herzen und in der Erinnerung bleiben sie jedoch alle präsent, egal ob Zwei- oder Vierbeiner.

Dr. Frauke Hinsch